
März 2012 - 1. Mantrailing-Prüfung von Daniela Schröder-Diener und Amalfi la fatina des Nobliaux Moustachus
Mantrailing- Prüfungs-Bericht (22.-25.03.2012) Tessin
Am Mittwochabend traten wir unsere Reise ins südliche Tessin an. Dort sollen die nächsten 3 Tage von der Organisation „Mantrailing Europe“ (www.mantrailing-europe.ch) Prüfungstage stattfinden. Ich habe mich mit Amalfi la fatina des Nobliaux Moustachus zur MT1 Prüfung angemeldet.
Donnerstag war dann Eintrailen angesagt. Die Gründerin und Instruktorin von Mantrailing Europe, Gabriella Trautmann Zenoni, hat uns 10 Prüflinge ein Warm-Up vorbereitet für diesen Tag. Jedes Team (Hundeführer-Hund) konnte an diesem Tag zwei kurze Übungstrails laufen, wo noch an kleinen Details gefeilt werden konnte. Obwohl zu sagen ist, dass so kurz vor der Prüfung keine wesentlichen Dinge mehr auf den Kopf gestellt werden sollten.
Amalfi meisterte diese beiden Übungen toll. Die erste Aufgabe war eine Abgangskontrolle. Das Auto einer vermissten Person stand auf einem Parkplatz. Wir bekamen einen Geruchsgegenstand und die Arbeit konnte beginnen. Ich rüstete Amalfi aus und gab ihr den Geruch zum Riechen, führte sie zum Auto und sie zeigte mir zielstrebig an, in welche Richtung die Person vom Auto weggegangen ist. Der Trail war absichtlich kurz gehalten, da es wirklich nur um diese Abgangskontrolle ging. Die Person war dann auch in kurzer Distanz zum Auto versteckt.
Am Nachmittag wurde auf einem grossen Platz, eine Art Amphie-Theater nochmals dasselbe geübt. Abgangskontrolle ist das A und O im Mantrailing. Kann der Hund den Abgang richtig orten, ist ein Grossteil der Arbeit schon gemacht. Also in diesem geschlossenen Rondell, welches über fünf verschiedene Ein- und Ausgänge erreicht werden kann, hiess es herauszufinden, welchen Ausgang die vermisste Person (VP) nahm. Man hat die VP durch einen bestimmten Eingang in dieses Rondell hinein laufen sehen, aber nicht, wo sie wieder rausging. Nun gut, da war Taktik angesagt. Anstelle den Hund unnötig auf dieser riesengrossen Fläche aus zu powern bis er vielleicht die Spur findet, wurde Amalfi von mir zu jedem Ein-/Ausgang geführt, mit dem Kommando „Kontrolle“ in diesen Durchgang laufen gelassen, nach ein paar Metern zeigte sie mir beim ersten Versuch eine Negativanzeige, sprich sie kehrte um und kam zu mir zurück. Für mich als Hundeführer ein klares Zeichen, dass die VP hier nicht lang gegangen ist. Auf zum nächsten Durchgang, wieder den Hund mit dem Kommando „Kontrolle“ hinein laufen lassen, tatsächlich Amalfi zieht an und marschierte zielstrebig durch diesen Ausgang. Gut, die Person ist hier aus dem geschlossenen Platz raus gelaufen, soviel ist sicher. Der Trail führte durch eine kurze Fussgängerpassage zu einer Burgruine, dort war dann auch die VP hinter den alten Gemäuern versteckt. Amalfi hat diese Übung ganz schön gearbeitet. Es gab viel Lob von der Instruktorin Gabriella Trautmann für uns. Die Vorgehensweise wäre vorbildlich gewesen, so der Kommentar von ihr.
Müde ging‘s dann zurück zum Hotel. Entspannen war angesagt, da wir morgen unseren grossen Tag hatten. Am Freitag hatten alle MT-, MT1- und MT2-Prüflinge ihren Einsatz. Trotz der Aufregung habe ich gut geschlafen und bin am Freitagmorgen mässig nervös aufgestanden. Für Amalfi war’s ein Tag wie jeder andere. Obwohl sie vielleicht schon merkte, dass Frauchen heute etwas komisch drauf war. Am Morgen kamen wir noch in den Genuss eine Kurz-Trail unter der Leitung von Alun Williams zu machen. Die Betonung liegt auf Kurz-Trail (Motivation). Es war wirklich eine ganz kurze Übung, aber eine für mich ganz wichtige Übung. Alun Williams konnte mir für die bevorstehende Prüfung noch den entscheidenden Tipp geben, wie ich Kreuzungen effizient ausarbeiten kann.
Nach dem Mittagessen war dann Abfahrt ins Prüfungsgelände angesagt. Die Nervosität stieg langsam an. Zuerst war die MT-Prüfung für ein Team, dann kam ich mit Amalfi als Zweite dran. Wir wollen uns an die MT1-Prüfung wagen. Wer genauer die Anforderungen für die verschiedenen Prüfungs-Stufe nachlesen will, verweise ich auf die Prüfungsordnung von“ Mantrailing Europe“, die unter folgendem Link zu finden ist:
https://mantrailing-europe.ch/downloads/pruefungsordnung-2011-2012/view
Also ich habe mich auf einen Trail von einer Länge zwischen 1 bis 1,5 km eingestellt. Die Spur lag mindestens 5 Stunden draussen. Das Terrain war ein Waldgebiet mit Flusslauf. Na ja, schon lange nicht mehr gemacht, da ich selber fast nur noch auf Asphalt trainiere. Aber getreu dem Motto: „trust your dog“ ging ich die Sache an.
Am Abgangsort erwarten mich die Prüfer, 3 an der Zahl. Zum einen war Gabriella Trautmann Zenoni (CH), Alun Williams (UK) und Danilo Motta (IT) anwesend. Ich bekam einen Geruchsgegenstand von der vermissten Person. In aller Ruhe bereitete ich Amalfi für ihren Einsatz vor. Brustgeschirr anziehen, Leuchtschabracke darüber, lange Leine an, die Tüte mit dem Geruchsgegenstand zog ich Amalfi über die Nase. Sie sog intensiv den Geruch mit einigen Atemzügen ein, ich verstaute die Tüte in meiner Jackentasche, atmete selber nochmals tief durch, gab Amalfi das Kommando „Such“ und los ging‘s. Sie steuert direkt in einen Auenwald, wo es von Weg-Gabelungen nur so wimmelte, mir wurde schon auf den ersten paar Metern ganz wirr im Kopf, sah vor lauter Bäumen den Wald fast nicht mehr. Amalfi kontrollierte jede einzelne Wegkreuzung sicher ab. Ich stand derweilen auf der Kreuzung, lies Amalfi eine Leinenlänge nach rechts, sie kam zurück - negativ, dann eine Leinenlänge geradeaus, sie kehrte um, wieder für mich das Zeichen, dass die VP hier nicht langging. Dann schlug Amalfi selbständig auf der Kreuzung rechts vor, jaja Briard‘s sind schlau und können kombinieren, die weiss genau, was sie bereits kontrolliert hat und was noch kontrolliert werden muss. Sorry liebe Labrador-Besitzer, ihr müsst dies Euren Hunden immer sagen, wo sie schauen gehen sollen. Ein Briard kommt eben selber auf die Idee…:-o) Also in dieser Weise arbeiten wir uns durch diesen Auenwald. Nach ca. 10 Minuten legte ich die erste Pause ein, Wasser für den Hund, Wasser für mich. Da bemerkte ich, dass ich ja eine ganze Armada von Prüfern im Schlepptau hatte. Nur nicht aufregen und ganz ruhig weiterarbeiten. Ich packte meine Sachen wieder zusammen, schnallte die Leine wieder um vom Halsband ans Brustgeschirr, Amalfi ist wieder im Arbeitsmodus. Los ging’s. Wir liegen gut in der Zeit, wenn wir uns nicht arg vertun, und wir nicht zu einem sicher Fixpunkt zurück müssen um neu anzusetzen, ist die Zeit bei Amalfi nie ein Problem, ihr Arbeitseifer und –Tempo ist gigantisch. Plötzlich wollte Amalfi über eine Kante an das Flussufer runter, was jetzt? Sie legte sich mit voller Kraft ins Geschirr, dass ich da einfach runter musste. Also auf so einem rutschigen, steinigen Pfad die paar Meter runter auf eine Art Sandbank. Ich musste aufpassen, dass ich nicht auf dem Hosenboden da runter schliderte. Unten angekommen, bemerke ich, dass die Prüfer nicht nachgekommen sind. Dies kann zwei Sachen bedeuten, entweder finde ich die Person hier unten oder ich bin falsch! Amalfi kontrollierte beide Seiten vom Abstieg ab. Links negativ, rechts negativ. Super, wie sich am Ende der
Prüfung herausgestellt hat, war dies ein Back-Trail. Also die vermisste Person hat sich beim Spurlegen dort unten eine viertel Stunde aufgehalten, ging denselben Pfad wieder hoch und weiter. Amalfi hatte also absolut Recht, die Prüfer waren von unserer Aktion hell begeistert! (Erfuhr ich im Nachhinein) So langsam lichtete sich der Wald und wir kamen zu einer grossen Brücke, Amalfi zog sofort auf diese Brücke, die ich dann auch mit ihr überquerte. Am Ende der Brücke angekommen, kontrollierten wir zuerst rechts den Treppenabgang – negativ. Dann kann es nur links die Rampe runter gegangen sein. Aber da zögerte Amalfi etwas – Daniela kühlen Kopf bewahren!!! Bei Rampen (Steigungen/Gefälle) gibt es oft einen Spurabriss wegen der Thermik. Also ganz runter laufen und nach der Rampe nochmals schauen, ob Amalfi anzieht. Ja, das macht sie, aber nicht mehr so intensiv, wie ich das sonst von ihr kenne. Langsam kommt Amalfi an ihre Grenzen, wir sind nun schon über 20 Minuten unterwegs. Gut, nochmals Pause und Wasser für den Hund. Ich konnte auch durchatmen und mich nochmals sammeln. Langsam aber sicher muss doch das Ende kommen. Ich wurde langsam skeptisch, ob ich wirklich auf der richtigen Spur bin. Gut, genug Pause, ich will jetzt endlich die Person finden. Also Amalfi, wir packen den Rest! Amalfi’s Energie schwindet von Meter zu Meter. Es ging einige hundert Meter auf dem Flussdamm entlang, Amalfi begann zu kämpfen, es war auch recht warm. Da kam plötzlich eine grosse Wiese mit einem Picknick- und Kinderspielplatz in Sicht. Da zog Amalfi plötzlich wieder an. Der Druck auf der Leine wurde wieder so, wie ich ihn kannte, wenn Amalfi sich der Person näherte. Also muss sie da jetzt irgendwo sein. Ein kurzer Schlenker nach rechts, nein doch nach links auf einen kleinen Trampelweg, der zu einem Holztisch mit Bänken führte. Da sass eine Dame lesend, die Amalfi von hinten ganz zart mit der Nase anstupste – GEFUNDEN!!!! Wir haben die Person gefunden!!! Die Freude war riesengross, noch grösser der Stolz auf meine umwerfend tolle Hündin. AMALFI, Du bist die Beste!
Ich bekam vor Ort noch mein Prüfungsergebnis, natürlich bestanden. Mit viel Lob von der internationalen Prüfungs-Experten-Runde. Alle waren voll des Lobes für meinen Hund, für unser geniales Team-Work (dies wurde mehrfach erwähnt) und die wunderschöne Arbeit. Was kann ich da nur sagen…sprachlos, fast etwas zu Tränen gerührt, kaum glaubend, dass jetzt alles vorbei ist, traten wir den Rückweg an.
Zurück beim Auto, natürlich grosse Freude bei allen. Wir Mantrailer sind eine grosse Familie, wo sich jeder über die tollen Leistungen des anderen freut und auch fürchterlich mit fühlt, wenn es bei einem Team leider mal nicht geklappt hat.
Am Abend zurück im Hotel war Amalfi fix und fertig. So müde habe ich mein Hund noch nie erlebt. Sie verpasste fast noch ihr Abendessen.
Am Tag darauf waren dann die MT3 Teams an der Reihe. Dies sind Hunde/Hundeführer, die ihre Einsatzprüfung ablegen wollen. Wir bereits Geprüften machten uns einen schönen Tag, gingen mit unseren Hunden beim Maggia-Delta ausgiebig spazieren. Und sind natürlich immer wieder in die Basis zurück, wenn ein Prüflings-Team von seinem Einsatz zurück kam. Leider waren an diesem Tag nicht alle erfolgreich. Aber es war auch eine unheimlich schwierige Aufgabe, die zu lösen war. Nur gut zu wissen, dass Amalfi und ich jetzt zuerst für die MT2 Prüfung trainieren werden. Vielleicht können wir diese ja noch dieses Spätjahr ablegen. Auf alle Fälle halte ich Euch an dieser Stelle auf dem Laufenden.
Eure Daniela und Amalfi